Es gibt Systeme, die nicht mehr leben, aber auch nicht sterben können.
Sie taumeln weiter, als seien sie unsterblich – gespeist von Routine, Angst und Schweigen.
Kein Mensch steuert sie wirklich, und doch funktionieren sie,
wie Körper, die längst tot sind, deren Reflexe aber noch zucken.
Sie reden von Fortschritt, wo Rückschritt regiert.
Von Digitalisierung, wo Kontrolle wächst.
Von Menschlichkeit, wo Menschen zerbrechen.
Die Sprache des Systems ist glatt, steril, perfekt –
und zugleich leer, hohl, ohne jede Spur von Wahrheit.
Wer das Elend erkennt, leidet doppelt.
Er sieht das Falsche, darf es aber nicht benennen.
Er arbeitet in einer Maschine, die er durchschaut,
und weiß doch, dass sein Blick nichts verändert.
Diese Menschen tragen das Wissen wie ein Gift,
das langsam in ihre Tage sickert.
Sie werden müde, zynisch, leise – nicht weil sie schlecht sind,
sondern weil sie verstehen.
Und um sie herum schuften die anderen weiter.
Sie glauben noch an den Sinn, an das „Nächste Audit“, an die neue Software,
an die Berichte, die niemand liest,
an die Sitzungen, die immer länger dauern,
und an die Leitung, die verspricht, dass alles bald besser wird.
Sie funktionieren, bis sie innerlich verschwinden.
Manchmal gibt es einen Moment der Klarheit –
wenn jemand mitten im Lärm innehält und denkt:
„Das hier ist keine Arbeit mehr. Das ist Erhaltung des Scheins.“
Aber solche Gedanken verhallen.
Das System hört nicht zu. Es hat keine Ohren.
Es kennt nur sich selbst.
Und so geht es weiter.
Jahr um Jahr.
Nicht weil es Sinn ergibt,
sondern weil niemand mehr den Mut hat, es zu beenden.
Doch vielleicht, irgendwann, wenn die Letzten schweigen und die Akten sich selbst widersprechen,
wenn kein Mensch mehr bereit ist, den Anschein zu retten,
dann stirbt das System –
nicht durch Reform, sondern durch Erschöpfung.
Und vielleicht, in dieser Stille danach,
beginnt etwas Neues.
Etwas, das wieder atmet.
Etwas, das lebt.

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